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Hannover - Palma de Mallorca - Hannover
Hannover - Palma de Mallorca - Hannover
01.00 Uhr nachts. Der Wecker klingelt, ich versuche so leise wie möglich aus dem Bett zu schleichen, ohne meine Freundin zu wecken. Um 02.30 Uhr ist Check-In für mich am Flughafen, d.h. dann muss ich in Uniform mit allen Unterlagen und Utensilien im Crewraum sitzen. Also ab ins Bad, rasieren, duschen, anziehen, Sachen packen. Trinke einen Espresso um halbwegs wach zu werden, denn die 4 Stunden schlaf waren nicht wirklich erholsam. Wecke kurz meine Freundin (geteiltes Leid ist halbes Leid *g*), verabschiede mich und fahre zum Flughafen (02.00 Uhr). Unterwegs halte ich wie immer bei einer Tankstelle und hol mir ein Red Bull und ein Croissant. 02.20 Uhr betrete ich den Crewraum. Wie immer um diese unchristliche Zeit ist hier viel los. Crews kommen an, andere machen sich auf dem Weg zur Maschine.
Ich checke mein Crewfach, die interne Post, Dienstplanänderungen, nette Post von Kollegen etc. Dann suche ich mir den Rest meiner Crew zusammen, die hier ja auch irgendwo sitzen muss. Zuvor trage ich mich in das sog. Flight Sheet ein, dort finde ich Angaben über die Crew, welche Maschine und wieviel Gäste heute an Bord sind. Mhhh, eine Boeing 737-800, gut das wusste ich zuvor. Aber die Passagierzahlen, das ist das wirklich interessante...denn eine volle Maschine bedeutet immer eine höhere Belastung. Selbst wenn nur 2-3 Reihen frei sind, lassen sich viele Probleme einfacher lösen. So, der Flieger ist auf Hin- und Rückflug voll, bis auf den letzten Platz ausgebucht. Gut, dann wird der Flug zwar anstrengend, aber auf keinen Fall langweilig. Jetzt kurz den Kollegen aus dem Cockpit guten Morgen sagen, dann an den Tisch zur Crew. Wir sind heute 4 in der Kabine und 2 im Cockpit. Begrüße die Kollegen und meine Kabinenchefin. Kurz überlegen, wenn davon kenne ich, wer fliegt schon wie lange, wer kennt wen. Das ist wichtig für die Positionsverteilung im Flieger. Denn gleich wird beim Briefing jedem seine Position zugewiesen. Heute kenne sich alle und die Positionen sind schnell verteilt. Dann folgt der nächste Briefingpunkt: Sicherheit, wir werden abgefragt, wie wir in bestimmten Situation zu reagieren haben, welche Maßnahmen sinnvoll sind bei Brand, Startabbruch, Notlandung etc. Dann wird der Service besprochen, den wir aufgrund der Flugzeit durchführen wollen.
Es geht nach Palma de Mallorca, also ca. 1Std. 50min. Flugzeit. Wir vereinbaren das Frühstück zu verteilen, dann einen Getränkeservice zu machen und nachdem wir uns in der Mitte des Fliegers getroffen haben, wieder langsam in die Küchen zu ziehen und dabei den Gästen ein zweites Getränk anzubieten. Dann werden die Tabletts abgeräumt, kurze Pause, dann Bordverkauf....Landung. Während des Servicebriefings kommt das Cockpit zu uns, wobei wir über das aktuelle Wetter unterwegs, evtl. Turbulenzen, Flugzeit und andere Besonderheiten aufgeklärt werden. Es folgt auch hier wieder eine kurze Überprüfung unserer Sicherheitskenntnisse. Das Ganze dauert ca. 15 - 20 min.
Wenn alles erledigt ist, gehen wir gemeinsam raus zur Maschine. Jetzt ist es 02.45Uhr der Abflug ist für 03.45 geplant. Auf der Maschine angekommen geht jeder auf seine Position, ich bin heute 3R, das bedeutet, das ich in Flugrichtung auf der rechten Seite, die hintere Türe betreue. Dort finde ich auch meine Check-Liste die ich Punkt für Punkt durchgehe (Feuerlöscher prüfen, Notrutschen, Schwimmwesten, Taschenlampen, Feuerschutzhandschuhe, Maske, usw.). Als 3R bin ich auch für das Catering in der hinteren Küche verantwortlich. Während ich die Essen zähle (müssen ja genügend an Bord sein, damit es für alle Gäste reicht), die Zollbeläge prüfe und jeden einzelnen Trolley und jede Box abzeichne, die Öfen und Kaffeemaschinen, sowie die Wasserstände des Frischwassertanks und der Toilette prüfe, checkt 3L neben mir ihr Equipment, und bereitet die Kabine für die Gäste vor.
Nachdem alles gecheckt und für gut befunden wurde (es fehlen keine Essen, das Equipment ist vollständig und alles funktioniert) lassen wir die Gäste abrufen. Jetzt ist es 03.10 Uhr. Wir müssen uns ein wenig beeilen. Die ersten Gäste kommen, wir beginnen die Gäste zu begrüßen, helfen ihnen beim finden der richtigen Plätze und dem verstauen des Gepäcks. Ich lasse erst mal einen Kaffee durchlaufen...Nach knapp 25 min. sind alle 184 Gäste an Bord. Wir bereiten nun alles für den Start vor, checken ob alle Gäste angeschnallt sind, das Gepäck richtig verstaut ist, die Boxen und Trolleys gesichert sind und kein Gast raucht etc. Wir beantworten noch ein paar Fragen der Gäste (Flugzeit, Kissen und Decken, was gibt’s zu Essen, haben Sie noch eine Zeitung, wie ist das Wetter auf Mallorca, was ist das für ein Flugzeug usw.). Wir rollen zur Startbahn und geben das Zeichen das wir und die Gäste sitzen und angeschnallt sind. Erst dann bekommt der Kapitän von unserer Kabinenchefin das Zeichen das die Kabine “clear” ist für den Start.
Während des Rollens und dem Startvorgang sind wir in höchster Alarmbereitschaft, denn wenn etwas passiert, dann vermutlich zu Start oder Landung. Also hören wir gespannt auf verdächtige Geräusche, schnuppern nach Rauch oder verdächtigen Gerüchen und drehen uns ab und zu um, um zu sehen ob nicht doch mal wieder ein Gast meint, bei einer Abhebegeschwindigkeit von 270 Km/h genau jetzt und nicht später pinkeln gehen zu müssen...Als das Fahrwerk einfährt und damit die Nichtraucherzeichen erlöschen, stecken wir uns erstmal eine Zigarette an, denn die nächsten 2 Stunden wird das nix mehr mit Pause. jetzt ist es 3.50Uhr und wir sind schon seit knapp 3 Stunden auf den Beinen und der Arbeitstag beginnt erst. In 10.000 Fuß Höhe ruft der Kapitän uns an und gibt das OK zum aufstehen und dem Beginn der Arbeit, sofern keine Turbulenzen zu erwarten sind. Jetzt geht alles ziemlich schnell, die Kollegin verteilt Spielzeug an alle Kinder im Flugzeug und bietet danach den Gästen die Kopfhörer zum Kauf an. In dieser Zeit weise ich ungeduldige Gäste daraufhin das die Anschnallzeichen noch an sind und sie auf eigenes Risiko aufstehen.. Ich baue die Getränketrolleys für meine Kollegin und mich auf (Softdrinks, Eis, Zitronen, Becher und Tassen etc.), mache Kaffee und Tee, erhitze die Croissants, fülle die frischen Brötchen in Tüten. Wir sprechen uns kurz mit den Kollegen im vorderen Teil der Kabine ab, damit wir auch zeitgleich beginnen. Dann verteilen wir 184 mal das Frühstück, bieten danach gleich 2 x Getränke an, beantworten weiterhin Fragen und kümmern uns um die großen und kleinen Wünsche der Gäste.
Wir geben den Gästen noch paar Minuten,. dann beginnen wir mit dem abräumen der Tabletts und dem Geschirr, Müll etc. Die Zeit reicht damit alle in Ruhe essen können. Jetzt haben wir kurz Zeit einen Kaffee zu trinken, in ein Brötchen zu beissen und auch unseren Piloten zu füttern. Wir machen den Vorhang halb zu um in Ruhe essen zu können, geben aber dabei noch Getränke aus und nehmen restlichen Müll an. Das Essen will nicht so recht schmecken, da direkt vor dem Vorhang die beiden Toiletten sind, die jetzt nach dem Frühstück von den Gästen zahlreich besucht werden. Das Käsebrötchen bekommt einen eigenartigen Geschmack wenn die Geräusche der Spülung und die Gerüche aus den WC´s in die Küche dringen. Aber nach dem 5. Flug gewöhnt man sich daran und das erste Brötchen des Tages schmeckt trotzdem!
Ich will gerade in besagtes erstes Brötchen des Tages beissen, als der Vorhang weit in die Küche fliegt und jemand auf meiner Schulter liegt. Meine Kollegin und ich sehen uns kurz ungläubig an, wer da wohl so frech ist samt Vorhang in die Küche zu stürmen, doch dann erkennen wir schnell das eine ältere Frau das Bewusstsein verloren hat und zu stürzen droht. Beherzt greifen wir zu, setzen sie auf die schmale Sitzbank.
Der erste Check sieht nicht gut aus, sie reagiert nicht und die Pupillen sind seltsam nach oben gedreht. Wir sprechen uns kurz ab, ich hole das Blutdruckmeßgerät, während sich die Kollegin um die Patientin kümmert und die Kabinenchefin und das Cockpit informiert. Wir sind kurz vor dem Herzinfarkt, denn die Dame kommt kaum zu sich, wir bitten unsere Kabinenchefin (die im Endeffekt die Verantwortung trägt) sich die Dame mal anzusehen um weitere Schritte abzusprechen. Mittlerweile habe ich den Blutdruck gemessen und stelle fest das ihr Blutdruck dem Optimum weit näher ist als meiner (den habe ich später mal gemessen).
Wir entscheiden uns für die Schocklage, geben ihr etwas zu trinken und dann kehren auch die Gesichtsfarbe und die Lebensgeister wieder zurück. Zum Glück. Durch den kleinen Zwischenfall (die nicht immer so glücklich verlaufen) ist der Zeitplan etwas durcheinander, während die Kolleginnen sich noch um die Patientin kümmern bereite ich den Bordverkauf vor. Das Frühstück muss nun warten. Während dem Bordverkauf (den wir abwechselnd mit 2 Kollegen durchführen, ich auf Hin- sie auf dem Rückflug oder wie auch immer) erfüllen die Kollegen in den Küchen noch Getränkewünsche, verteilen Aspirin, beruhigen Gäste mit Flugangst und plaudern auch mit unseren kleinen Gästen.
In der Zeit, in der 2 Kollegen den Bordverkauf durchführen, erledigen die beiden anderen in ihren Küchen den Papierkram (Zollbelege), räumen alles auf, verstauen Trolleys, überprüfen die Toiletten (Papier, Seife), und halten die Kabine im Auge. Nach Ende des Bordverkaufes bereiten wir die Kabine für die Landung vor, denn die folgt in ca. 20 Minuten. D.h. wieder alles verstauen, das Anschnallen der Gäste überprüfen, Gepäck wegräumen, Notausgänge checken, usw. Das eigene optische Erscheinungsbild überprüfen, Mädels noch mal Nachschminken, denn gleich müssen wir die Gäste wieder verabschieden, und da wollen wir ja lecker aussehen. Dann folgt der 2. Versuch das kleine “erste Brötchen des Tages doch noch zu essen. Während dem Frühstück und ein wenig Unterhaltung mit der Kollegin geht die Sonne auf, und dieser Anblick entschädigt für fast alles.... Herrlich. Zur Landung wieder höchste Aufmerksamkeit, immer mit einer Evakuierung rechnen, Kommandos im Kopf abrufen, auf alles ungewöhnliche achten.
Wenn man eine Weile geflogen ist, dann hört man auch ob die APU (Hilfstriebwerk am Boden zur Stromversorgung im Heck der Maschine) rund läuft oder nicht. Nach der Landung und dem andocken am Flughafengebäude gehen die Gäste von Bord. Als der letzte sein Hab und Gut mit von Bord genommen hat, kommen die fleißigen Damen des Cleanings (das auf Palma nicht soooo fleißig ist) und das Catering, die neues Essen bringen und das alte von Bord nehmen. Wir überprüfen wieder die richtige Anzahl der Essen, checken die Ausweise aller die an Bord kommen, überprüfen die Schwimmwesten unter jedem Sitz, legen neue Zeitungen aus, stecken die Sitztaschen aus (184 mal), d.h. wir legen neue Magazine, Spucktüten und Safety Cards nach, und das alles ordentlich: Magazin, Sicherheitskarte, darüber die Spucktüte und alles rechts an die Seite. Und nicht anders ! Dann werden die Kopfpolsterschoner ausgetauscht, sofern genügend da sind und Zeit bleibt. Wenn alles erledigt ist, gönnen wir uns 10 min Pause für etwas Obst, einen Kaffee oder ein Kippchen. Es gibt ein kurzes Briefing ob sich was geändert hat (Passagierzahl, Kranke, VIP´s etc.), dann kommen schon wieder die nächsten Gäste.
In dem Moment bin ich in Gedanken bei den Kollegen die heute vorne fliegen. Da wir in Hannover und Palma eine Fluggastbrücke hatten, steigen alle Gäste nur über die Türe vorne links ein. D.h. vorne werden alle Gäste beim Ein - und wieder Aussteigen begrüßt und verabschiedet ( 4 x 184 = 736 mal Guten Morgen und Auf Wiedersehen). Der Rückflug beginnt nach dem gleichen Schema wie der Hinflug. Folglich muss ich den nicht noch mal schildern, einige Aufgaben fallen weg, andere kommen hinzu. Nach der Landung in Hannover bereiten wir die Maschinen vor für die nächste Crew (Fächer ausräumen, Kaffeemaschinen reinigen, Toiletten ausstecken, Zeitungen vorbereiten etc.). Dann gehen wir in den Crewraum, necken die Kollegen, die jetzt los müssen, checken unsere Crewfächer, und setzen uns zusammen, reden über den Flug und über Klatsch und Tratsch. Kurz die Zeiten: also um 01.00 Uhr aufgestanden (ab da beginnt für mich die Arbeit) und um 08.00 Uhr wieder in Hannover. Man könnte meinen, naja sind ja nur 7 Stunden. Aber: Nachtarbeit, viel Stress, wenig gegessen, jederzeit Hochaufmerksam, schlechte Luft, wenig Sauerstoff, Höhenstrahlung, körperl. Belastung (jeder Trolley wiegt da oben das doppelte von dem was er am Boden wiegen würde).
In der Zeit haben wir:
2 x 184 Essen verteilt und wieder abgeräumt
4 x 184 Gästen Getränke angeboten (jeder Gast im Schnitt 2 Getränke, also: 1472 Getränke!!)
4 x 184 Gästen Guten Tag und Auf Wiedersehen gesagt
2 x 184 Gästen Waren aus dem Bordshop angeboten
2 x 184 Gästen Kopfhörer angeboten, Spielzeug verteilt
184 Sitztaschen überprüft und ausgesteckt Und das alles auf einem relativ kurzen Flug nach Palma. Wir können das auch mal gerne mit einem Airbus A310, den wir auch fliegen, durchspielen. Dort sind wir dann zwar 2 Flugbegleiter mehr, dafür steigt sie Gästezahl aber auch von 184 auf 271!
So, das war ein normaler Arbeitstag, ohne große Höhepunkte, keine verärgerten Gäste, keine Verspätung, nichts hat gefehlt, alles war gut und hat Spaß gemacht. Aber das kann auch alles ganz, ganz anders sein.
Wen das nicht abgeschreckt hat, der sollte sich ernsthaft überlegen, ob er nicht mal in den Job schnuppern möchte.
Wer in jeder Situation freundlich (aber bestimmt) sein kann, der hat gute Chancen seinen Traumberuf gefunden zu haben.
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